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De Pälzer Spraokinsel an’n Niederrhein

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Siet ca. 260 Jaohren wäerd in’n Dörper Pfalzdorf, Louisendorf un Neulouisendorf an’n linken Niederrhein in’n Näöchte van Goch Pälzersch protet. De pälzische Spraokinsel liggt in’n ütersten Westen van Dütskland links van Niederrhein tau de niederlandeske Grense hin up de Niederrheinischen Höchtezug tüsken de Orte Goch, Kalkar un Kleve.

Siedlungsgeschichte van’n Pälzer an’n Niederrhein

De schlechte wirtschaftlicke Laoge, Kriege un Unnerdrückung van’n Protestanten van’n pälzischen Kurfürsten Siete führten Änfäng van’t 18. Jaohrhunnert tau ener räägelrächten Utwanderungsflaut. 1741 möök sik ene Trupp ut’n Kurpalz up’n Wegg nao Rotterdam, van wor ut säi än’n amerikanische Oostküste aowerschüppern willen. Vääle middellosse Utwanderer konnen de hohen Kosten van’n Säiraise nich betaolen, sodat säi in’n Niederlanden blieven. Üm düss intaudämmen, laotet de niederländischen Behörden nur noch Emigranten aower de Grense, wecke een gültigen Aowerfohrtskontrakt hatt. Ut düsse Ursaoke gerodde 1741 ok de Utwanderungspläöne van’n Trupp ut’n Kurpalz nich, woruphen de preußischen Behörden in Kleve de etwa 20 Familien enen Däil van’n Gocher Heide tau de Besiedlung aowerlaoten, wor dat heutige Pfalzdorf gründet wörd. In’t 19. Jaohrhunnert köömen noch Louisendorf (1820) un Neulouisendorf (1827) daotau. Mit eerer rheinfränkischen Mundoort in’n sonst niederfränkische Gäägend wörden de Kolonisten somit ene Spraokinsel. Hauptursaoke för de Offgrenzung wör de konfessionelle Unnerschäidelkheit: de Niederrheiner wörn katholischer Konfession un köömen somit för de protestantischen Änsiedler äs Traaupartner nich in Fraoge, wat ene soziale un somit ok spraoklicke Assimilation van’n Pälzer uphollte. Erst in’t 20. Jaohrhunnert brääk düsses Muster up un et wörd ut dat Dörp uttraauet. Hintau kump, dat de Kinners de in’n Dörper änsässigen Schaulen besochten.

Spraoklicke Merkmaole van’t Pälzersch

De pälzische Mundoort van’n Dörpbewaohner, Pälzersch nöimet, unnerschäidet sik dütlick van’n dütsken Standardspraoke un noch mehr van’n kleverländischen Mundoort van’n ümliggenden niederrheinischen Orte. Ümme de Isolation un de Lääwenstrukturen konn sik de mitbrocht rheinfränkische Mundoort bit in’n heutige Tied hollen. Markante Unnerschäide ergäwwen sik dör de geographische Laoge van’n pälzischen „Utgangs“-Mundoort. För dat Pälzische bünt dialektgeographisch väer Isoglossen entschaidend. Dat bünt tau enen de twäi Linien van’n Rheinischen Fächer, wecker sik infolge van’n Zweiten Lautverschiebung ergäwwen häff: de dat-das-Linie in’n Oosten un de Appel-Apfel-Linie in’n Süden. Typisk för’n pälzische Mundoort is de Utspraoke van /st/ äs scht (bspw. fescht ‚fest‘). Hintau kump de südwestlicke Afgrensung dör de Eis-Is-Linie. Ok ligg dat Pälzische tau grooten Däilen in’n Gäägend van’n d– un t-Rhotazimus, wat de Wandel van d un t tau r in vokalischer Ümgebung betäiket (bspw. Brure ‚Bruder‘). Ok de Vokale träet offwäikend tau’n Standardspraoke un dat Kleverländische up: bspw. de Entrundung van /ü/ und /ö/ un dat Fäählen van’n Diphthong eu (bspw. Stick ‚Stück‘, grien ‚grün‘ un nei ’neu‘). Äs urpälzisches Merkmaol gilt dat hinnere, (halb)gerundete a.

Aktuelle (spraoklicke) Situation

Eerst käägen Ende van’t 19. Jaohrhunnert un leßtlick eerst in’n Loope van’t leßten Jaohrhunnert ännerten sik de Gegäwwenheiten in Rooje Integration un Assimilation, wat sik ok in’n spraoklicken Verhältnissen weerspäigelt. Verbääterte Verkehrsbedingungen un de dormit verbunnene Mobilität, Vebräitung van’n Massenmedien un de Verstädterung in’n leßten Joahrzehnten häbbt düsse Entwicklung begünstigt. Hintau kaomen twäi wiedere Maite: de dräi pälzischen Siedlungen bilden administrativ kene Eenheit. Bit 1969 wörn säi sik sülwes verwaltende Orte, wecke in’n Raohmen van’n kommunalen Neugliederung in unnerschäidelke Orte ingemeindet wörden (Pfalzdorf wörd een Ortsdäil van Goch un Louisendorf hört tau Kalkar). So wör de in sik slaotene (Spraok-)Inselstruktur upbraoken. Tau annern wör de Schließung van’n Dörpschaulen een insnäendes Ereignis in’n Kolonialvertellsel. Siet de Schaulreform mäöt de Kinner in’n Schaulen van’n ümliggenden Orte gaohn. Dör de taunehmende Milderung van’n religiösen Änsichten wörden alltied häufiger Ehen tüsken protestantischen Pälzern un katholischen Niederrheinern slaoten. De Kontakt tau de Ümgäwwung erfödderte ene spraoklicke Assimilation, worbie in’n Räägel ene Orientierung tau de Spraoke van’n Mehrheit erfolgt. All düsse Faktoren mööken enen verstärkten Kontakt tau de Ümgäwwung mäögelk un ok nötig. Ok de Normierung dör de Schaule in Bezug up de Bruuk van’n Standardspraoke späält darbie ene entschäidende Rolle. De typisken Domänen van’n Mundoortbruuk gaoht verloren. Dör de Mischehen kriegen ok annere Varietäten Einzug in’n Familie. D.h., in Situationen, in däi normalerwiese in’n Mundoort protet wäerd un de prägend bünt för wiedere – ok spraoklicke – Entwicklung, mäöten nu verstärkt annere Varitäten nutzt wäern. Somit nehmen de Mäögelkkeiten, Pälzisch tau proten, stark af. Dat Pälzersch wäerd in’n heutigen Tied bloot noch allman van’n ölleren Inwaohner protet. Tausstellend kann man fastehollen, dat för de pälzische Spraokinsel van enen äindeutigen Mundoortrückgang protet wäern kann. An’n Stääe van’n alltied wieder trügge drängten Mundoort trett dorbie dat Hochdütske.

Düsse Bidrag is schriewen in Emslänner Platt.

Quellen:

  • Beyer, Rahel (2011): Tendenzen der generationsbedingten Variation im pfälzischen Sprachinseldialekt am Niederrhein. In: Ganswindt, Brigitte; Purschke, Christoph (Hg.): Perspektiven der Variationslinguistik. Beiträge aus dem Forum Sprachvariation. (= Germanistische Linguistik 216-217). Hildesheim, Zürich, New York: Olms. S. 57-77.
  • Schiering, René (2003): Zur Dokumentation des Pälzersch in Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf (Niederrhein) – Bericht eines zweiwöchigen Feldforschungsaufenthaltes. In: bulletin no. 10. Mitteilungen der Gesellschaft für bedrohte Sprachen e.V. Herausgegeben von der Gesellschaft für bedrohte Sprachen e.V., S. 7-14.
  • https://rheinische-landeskunde.lvr.de/de/sprache/wissensportal_neu/dialekt_1/dialektinseln_1/pfaelzer_sprachinsel.html, 01.07.2019

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